Das Fallbeispiel London hat mein allgemeines Wissen, auch in Bezug auf den Name des Landes in dem ich mich gerade befinde, bereichert. Ich weiß jetzt nämlich, warum England, England heißt.
Morgens halb zehn in Deutschland… Zur gleichen Zeit… morgens halb neun in London (für alle Menschen, die mit Viertel vor, Dreiviertel und kurz vor Halb und so nichts anfangen können wird hier keine Ausnahme gemacht).
Tag ein Tag aus darf ich es am eigenen Leibe erfahren. Nachdem circa drei Central Line Bahnen an mir vorbei gerauscht sind, schaffe ich es endlich mich unter Berücksichtigung, dass ich den Spalt beachten muss, mich mit eingezogenem Haupte in die geräumige Bahn zu pressen. Nach einigen Wochen weiß ich mittlerweile auch endlich meine eigenen Bewegungsabläufe zu koordinieren.
Zu Beginn stürzt man sich im gehetzten Tippelschritt die Treppen der U-Bahn herunter, um dann festzustellen, dass man eben eine Bahn verpasst hat. Anschließend sollte man sich möglichst breit machen, um sich einen Platz vor der U-Bahntür zu ergattern. Es heißt auch schön man solle erst alle aussteigen lassen, bevor man selbst die Bahn besteigt. Das macht man ein Mal und dann nie wieder.
Wie gesagt, nachdem man die „gap“ „geminded“ hat, presst man sich an die bereits mit der Bahn Eins gewordenen Menschenmasse und nimmt… wie soll ich sagen… eine Pinguinähnlich Haltung ein. Bevor ich mir diese antrainiert hatte, verlor ich ungefähr 1/10 meines Haupthaares an die U-Bahntür.
Nach dem Schließen der Tür kann man dann eine etwas entspanntere Haltung einnehmen – man darf seinen Kopf fünf Zentimeter anheben und anschließend den Körperschwerpunkt verlagern. Ansonsten ist eigentlich alles Weitere egal. Man braucht sich nicht festhalten, denn man kann sowieso nicht umfallen, weil man ja zu den Pinguinen gehört und ein Teil der Masse ist. Menschen beobachten ist meistens auch nicht drin, denn manch einer könnte es als unangenehm empfinden, wenn man aus einer Entfernung von 10 Zentimetern angestarrt wird.
In eilender Geschwindigkeit bahnt sich die rüttelnde und schwankende Pinguinmasse ihren Weg in Richtung City.
Ja, dies ist mein ausgetüfteltes Überlebensrezept, bis ich mir an einer Haltestelle, die sich anhört wie das berühmte Puppenpaar mit dem rosa Haus und rosa Auto, den Weg ins Freie erkämpfen darf.
Anschließend laufe ich wie fast jeden Morgen noch an der Frau mit dem breiten Gürtel den pinkfarbenen Schuhen und der fleischfarbenen Netzstrumpfhose vorbei und reihe mich in den Strom der arbeitenden Bevölkerung ein um mir dann am Ziel angekommen einen Latte im Pappbecher mit Trinkloch im Plastikdeckel zu gönnen…